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(Die Zahlen und Fakten sind auf www.vegetarismus.ch gut dokumentiert).
Auch innerhalb linker und (hoffentlich) kritischer Gruppierungen gibt es weiterhin das eine oder andere Tabuthema. Eines scheint mir die Ernährung und ihre Auswirkung auf unser Zusammenleben und die Umwelt zu sein. Hat was wir Essen etwas damit zu tun, dass andere nichts zu essen haben? Welcher Einfluss hat Ernährung auf das Klima? Dies sind Fragen, denen nicht zuletzt die meisten Entwicklungsorganisationen und Umweltschutzorganisationen aus dem Weg gehen - ganz zu schweigen von den etablierten politischen Parteien. Dabei zeigen die Fakten in eine klare Richtung: Wollen wir für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen und die Umwelt schützen, dann sollten wir auf Steaks verzichten und den Verzehr von Milchprodukten tief halten.
Die Fleischproduktion ist mit Sicherheit die effektivste Form der Nahrungsmittelvernichtung. Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benötigt man 7-16 kg Getreide oder Sojabohnen. Bei dieser künstlichen Verlängerung der Nahrungskette gehen unter anderem 90% der Eiweisse, 99% der Kohlenhydrate und 100% der Faserstoffe verloren. Trotzdem werden in der Schweiz 66% des Getreides an Tiere verfüttert, in den USA sind es sogar 80%! Dies ergibt folgendes perverses Zahlenspiel: Würden zum Beispiel die Amerikaner nur 10% weniger Fleisch essen, so könnte man mit dem dadurch eingesparten Getreide rund eine Milliarde unterernährte Menschen versorgen. Dies ist natürlich reine theoretische Spielerei, doch die Marktmechanismen spielen bei den Nahrungsmitteln mit ihr zynischstes Spiel. Denn schlussendlich wird Getreide an denjenigen verkauft, der am meisten bietet. Und da zum Beispiel Schweizer Kühe eine weit höhere Kaufkraft haben als eine grosse Menge indischer Menschen, isst Schweizer Vieh massenhaft Getreide aus dem Subkontinent und die indischen Menschen hungern. Es gibt wohl kaum ein direkteres Abbild kapitalistischer Herrschafts- und Ausbeutungsstrukturen.
Man sagt, dass künftige Kriege nicht mehr ums Erdöl sondern ums Wasser geführt werden. Die 100-500 Liter die jede Person täglich im Haushalt verbraucht, verblassen gegenüber den 2000-5000 Liter Wasser, die täglich für die Herstellung unserer Nahrungsmittel benötigt werden. Auch hier macht es einen gewaltigen Unterschied, was wir essen. So verbraucht die Herstellung eines Kilos Rindfleisch ca. 16’000 Liter (oft im Prozess sehr belastetes) Wasser, ein Kilo Getreide beinhaltet vergleichsweise moderate 1300 Liter, 1 Kilo Eier 3300 Liter Wasser. Mit 16’000 Litern Wassern kann man leicht ein Jahr lang seine Dusche nehmen. Letztendlich verbrauchen Nutztiere weltweit 8% des Trinkwassers, achtmal mehr als der Mensch. Bei der Landnutzung sieht es ähnlich aus. Auf der Fläche eines Grundstückes, die benötigt wird, um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, könnte man im selben Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln ernten. In der Schweiz werden rund 67% der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Tierhaltung und den Futtermittelanbau verwendet. Dies entspricht dem weltweiten Durchschnitt.
Bis vor kurzem hat man angenommen, dass Nutztiere zwar die grössten Verursacher des Klimawandels sind, jedoch nicht in dem Ausmass, wie in neuesten Studien aufgezeigt. Die FAO (UNO-Welternährungsorganisation) sprach in ihrer 400-seitigen Studie aus dem Jahre 2006 noch davon, dass die Nutztierhaltung 18% der Treibhausgase verursachen würden und somit mehr als alle Transportmittel (Auto, Schiffe, Flugzeuge, etc.) zusammen. Für das World-Watch-Institut haben nun zwei Umweltwissenschaftler der Weltbank diese Zahlen nachgerechnet und korrigiert: Die FAO, welche sich weltweit für einen höheren Fleischkonsum einsetzt, habe bei ihren Berechnungen einiges "übersehen", anderes unterschätzt und manche Emissionen falsch zugeordnet. Nach Korrektur der Fehler stellten die Wissenschaftler fest, dass der Beitrag der Produktion tierischer Produkte auf die Treibhausgase mindestens 51% betragen! Zudem erwartet die FAO wiederum, dass sich die Fleisch- und Milchproduktion in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts noch einmal verdoppeln wird. Aus anderem Blickwinkel betrachet, muss einE VeganerIn 5000-10’000 zusätzliche Autokilometer jährlich zurücklegen, um die gleiche Menge Treibhausgase zu verursachen wie einE Karnivore. Ob Bio oder nicht Bio, macht hier vergleichsweise einen kleinen Unterschied. Eine VeganerIn hätte selbst dann noch die bessere Umweltbilanz als einE Bio-Karnivore, wenn sie alle ihre Produkte aus Übersee einschiffen liesse.
Wirtschaftlich gesehen, scheint es ein Rätsel, wie ein Ressourcen vernichtender und umweltschädlicher Wirtschaftszweig überhaupt rentabel sein kann. Tatsächlich wird die Ausbeutung von Tier und Natur nur von der Allgemeinheit und dem Steuerzahler ermöglicht, denn unter Einberechnung aller Kosten müsste sich der Preis für Fleisch gemäss Worldwatch Institute verdoppeln oder verdreifachen. Alle Kosten heisst auch die Kosten der Umweltverschmutzung die unweigerlich stattfindet. In der Schweiz sind 68% aller Einnahmen der Landwirtschaft auf direkte oder indirekte Subventionen zurückzuführen. Dies ist der höchste Anteil weltweit. Nur aufgrund dieser Zuzahlungen lohnt sich die Tierhaltung überhaupt.
Veganer Aktivismus nährt sich jedoch nicht nur aus diesen Zahlen und Fakten sondern ist eine tiefer gehende Haltung der Gewaltfreiheit gegenüber Mensch und Tier. Er widersetzt sich jeglicher Ausbeutungsstrukturen, sei es der Ausbeutung des Arbeiters durch das Kapital, der Frau durch den Mann, farbiger Menschen durch weisse Menschen oder Tiere durch das Menschentier. Er sieht Zusammenhänge zwischen Gewalt zwischen Menschen und der menschlichen Haltung gegenüber Natur und Tier. Solange Lebewesen als ökonomische Nutzeinheit objektiviert werden wird Ausbeutung und Gewalt folgen. Vielleicht überlegen sich auch die AktivistInnen von Organisationen wie Attac an der nächsten Sommeruni nicht Braten, Fleischplatte, Käseplatte und Käsekuchen zu servieren, sondern versuchen einmal die vegane Variante.
Roman Kuenzler
Vegane Links:
www.vegetarismus.ch Vegetarische Vereinigung der Schweiz mit sehr starker Tendenz zum Veganismus
veg-tv.info/hauptseite Internetfilme zum Thema
www.veganwelt.de Schmackhafte vegane Rezepte
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