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Marianne Wildberger von attac Deutschland hat Anfang September an der Sommerakademie von attac schweiz teilgenommen. Wir drucken hier ihren (allzu?) freundlichen Bericht ab und freuen uns über das Interesse von attac Deutschland an der Diskussionen in der Schweiz (Red).
Am Wochenende vom 1.-3. September habe ich zwei Tage in Biel/Bienne auf der
Sommerakademie von attac schweiz unter dem Titel "GENERATION PREKÄR -
Enden die Menschenrechte dort, wo die Unternehmensfreiheit beginnt?" verbracht.
Hier ein kurzer Bericht:
Im Durchschnitt waren immer etwa um die 50 Leute anwesend (hochgerechnet
auf die Bevölkerungszahl ist das mehr als in Deutschland). Es herrschte eine
entspannte und ruhige Stimmung, das Verhältnis Frauen/Männer war
ausgewogen (z.T. sogar mehr Frauen!) und die tragenden AktivistInnen
sind jünger als in Deutschland. Der besondere Reiz war die durchgängige
Zweisprachigkeit. Attac Schweiz ist ein Verein und hat 4000 Mitglieder
(auch hier sind das im Verhältnis viermal soviele wie in Deutschland!) in 11
Sektionen (5 französisch-, 3 deutsch-, 1 ital. und 2 zweisprachig), die
sehr autonom sind.
Das kollektive SEKRETARIAT besteht aus fünf Frauen und vier Männern (inkl.
eine 60% Stelle, die sich zwei Frauen aufteilen), ist offen und hat
weitgehend ausführenden Charakter im Auftrag der NATIONALEN
KOORDINATION. Diese besteht aus dem Kollektiv des Sekretariates und je
einem Mitglied aus den Sektionen (ca. 20 Pers.) und trifft sich offen
monatlich reihum bei den Gruppen!
Angles d’attac, das Informationsbulletin in französischer Sprache, das
seit eineinhalb Jahren die Mitglieder über die politische Aktualität und
die Aktivitäten der Lokalgruppen informiert, erscheint ab diesem Sommer
in der deutschen Version ATTACTUELL, um den Zusammenhalt der Gruppen zu
verstärken!
Zusammenfassung aus dem Tätigkeitsbericht:
Im letzten Jahr hat sich attac ch v.a. mit den Streiks und
Protestaktionen von "La Boillat" (swissmetall) in Reconvilier befasst,
sowie mit der WTO durch Aktionen in Genf und Bern zur Ministerkonferenz in Hongkong, und sich an internationalen Treffen aktiv beteiligt.
Übrigens haben sich weitere drei grössere Städte zu gatsfreien Zonen
erklärt: Basel, Zürich und Biel.
Daneben nutzt attac ch die Instrumente der direkten Demokratie und hat
an zahlreichen Unterschriftensammlungen von Initiativen und Referenden
teilgenommen. Am Wichtigsten war das Engagement zum Referendum gegen das
Asyl- und Ausländergesetz, das am 24.9.06 zur Abstimmung gekommen ist.
Ausserdem unterstützt attac die Initiativen ’Für eine soziale
Einheitskrankenkasse’, des Mouvement populaire des familles und die Initiative der Gruppe Schweiz ohne Armee (gsoa) gegen den Waffenexport!
An der Jahresversammlung wurden folgende Motionen (Anträge), fast alle
einstimmig, beschlossen:
1. Motion über die globalisierungskritischen Mobilisierungen 2006/2007
a) Als Gegenpol zum WEF wieder "das Andere Davos" zu organisieren.
b) In Kontinuität zum Anderen Davos, sich an den Mobilisierungen gegen
den G8-Gipfel zu beteiligen, insbesondere durch die Unterstützung der
Europäischen Märsche gegen ungeschützte Beschäftigung mit der Gründung
von Komitees in der Schweiz.
c) Generell im Rahmen der globalisierungskritischen Mobilisierungen zu
den Zusammenhängen zwischen Freihandel, Migration und Veränderung der
Arbeitswelt zu arbeiten.
d) Die Arbeit zu den multinationalen Konzernen weiter zu vertiefen,
insbesondere im Rahmen der Kommission multinationale Konzerne und durch
aktive Zusammenarbeit und Unterstützung von MultiWatch.
2. Motion Mitgliederbeiträge
Bei attac Schweiz soll eine einheitliche Mitgliederkartei eingeführt
werden und auch die Mitgliederbeiträge sollen neu (!) zentral einbezogen
werden. 80% (!!) der Beiträge und Spenden gehen zurück an die Sektionen!
Angesichts der Zurückhaltung soll diese Regelung freiwillig sein und
einige Lokalgruppen können weiterhin Mitgliedsbeiträge selber einsammeln
und 20% an attac schweiz überweisen .
3. Motion zur Steuerkampagne 2006/2007
Die Kommission (AG) "Service public" schlägt der Jahresversammlung vor
folgenden zwei Aktionsvorschlägen zuzustimmen:
a) attac schweiz wird aktives Mitglied des "Tax Justice Network
Schweiz", dem Ableger des internationalen Netzwerkes für
Steuergerechtigkeit. In der Schweiz wird das Netzwerk zuzeit von der
’Erklärung von Bern’ und ’Alliance Sud’ koordiniert, eine aktivere Rolle
von attac schweiz, insbesondere zu innenpolitisch relevanten Themen, ist
erwünscht. Der internationale Konvent GATS-freier Zonen, welcher vom
27.-29. Oktober in Genf stattfindet, bietet den Rahmen, das
Netzwerk einer interessierten Öffentlichkeit bekannt zu machen.
b) Die Unternehmenssteuerreform II bringt die Zielsetzungen neoliberaler
Politik besonders deutlich auf den Punkt, indem sie Grossaktionäre und
Grossinvestoren steuerlich entlasten will und ein Loch von rund 1
Milliarde Franken in die Staatskasse reisst, und bietet die Möglichkeit,
mit einer Referendumskampagne das Thema Steuergerechtigkeit in eine
breite Öffentlichkeit zu tragen. Attac Schweiz beteiligt sich aktiv an
der Bildung eines Referendumskomitees.
An zwei Sessionen mit interessanten Gästen habe ich teilgenommen:
"Erwerbslosigkeit und Sozialpolitik: Friss oder stirb!" mit Referaten
von Alessandro Pelizzari (attac ch, Uni Fribourg) und Chantal Magnin
(Soziologin, Uni Bern), und "Repressiver Staat: Sicherheit für wen?" mit Heiner Busch (Solidarité sans frontières) und Jean-Michel Dolivo (Rechtsanwalt Lausanne).
Beim "atelier feministe" (workshop) ging es um Religionen und Sexismus,
bei dem 16 Frauen und 4 Männer engagiert zu diesem Problem diskutierten!
(Persönliche Anmerkung: Es fiel mir auf, wie selbstverständlich das
Geschlechterverhältnis hier stimmt und wie schade ich es finde, dass wir
uns beim Thema gender mainstreaming nur mit uns selber beschäftigen
müssen und gar keine Zeit und keinen Freiraum für inhaltliche Fragen zu
diesem Thema haben!)
Die Sommerakademie war sehr schlicht, mit wenig Kulturellem und ich fand
es schade, dass sie das Potential nicht nutzten für eine gemeinsame
Aktion gegen aussen, wie wir das jeweils machen! Meine Anregung wurde
aber dankend aufgenommen. Fazit: klein aber fein!
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