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Militarisierung und Männlichkeitskonzepte

Rahel Ruch, aktiv bei der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee GSoA, wird an der Sommeruni am Podium über feministische Perspektiven vom Freitag Abend, 5. September, sprechen. Wir drucken hier einen älteren Beitrag von ihr ab, nämlich ihre Rede an der Pressekonferenz zum Berner Ostermarsch 2005. Sie thematisiert den Zusammenhang von Gewalt gegen Frauen und Krieg.

Stoppt Gewalt gegen Frauen

Gestern war der 20. März 2005. Genau zwei Jahre nach dem offiziellen Kriegsbeginn des amerikanischen Präventivkriegs gegen den Irak. Vor zwei Jahren gingen Tausende von Menschen auf die Strasse, eine Anti-Kriegs Bewegung wurde hochgejubelt, ja selbst die Jugend schien plötzlich politisch. Diese Bewegung hat einen grossen Teil auch der in der Schweiz lebenden Personen erfasst. Und jetzt, 2 Jahre danach? MancheR fragt, wo denn diese Friedensbewegung geblieben sei und beklagt, dass von der Kampfbereitschaft, der Entrüstung von damals heute nichts mehr zu spüren sei. Doch auch wenn heute nicht mehr Zehntausende auf der Strasse stehen, hat diese Bewegung etwas verändert. Sie hat Menschen für Ungerechtigkeiten sensibilisiert, sie hat auch die globalisierungskritische Bewegung gestärkt. Und sie hat Jugendliche politisiert.

Ein sichtbares, wichtiges Überbleibsel ist der Ostermarsch. Ebenfalls vor zwei Jahren haben wir diese traditionelle Protestform wieder aufleben lassen und dieses Jahr findet schon der dritte Marsch statt. Ostermärsche hatten immer einen friedenspolitischen Fokus, griffen aber zusätzlich oft brisante Inhalte auf. Wir haben in den letzten Jahren versucht, die Themen des Marsches zu erweitern. Nun starten wir mit dem Motto "Stoppt Gewalt gegen Frauen".

Ein Thema, das leider nichts von seiner Aktualität verloren hat, im Gegenteil, immer wieder aufgegriffen werden muss, um Diskriminierungen unübersehbar aufzuzeigen. Gewalt gegen Frauen existiert in vielen verschiedenen Facetten. In der Schweiz sterben jährlich 40 Frauen an den Folgen häuslicher Gewalt. Erst jetzt wird diese Art von Gewalt als gesellschaftliches Problem anerkannt und nicht als Privatsache abgetan. Seit letztem Jahr wird häusliche Gewalt als Offizialsdelikt verfolgt und die Öffentlichkeit sensibilisiert. Noch immer wird sie aber verharmlost und noch viel zu selten im Zusammenhang mit fehlender Gleichberechtigung gesehen.

Strukturelle Gewalt wendet sich am häufigsten gegen Frauen, Beispiele dafür gibt es auch in der Schweiz genügend. Denken wir nur an Lohnungleichheit, gläserne Decken oder die Vertretung der Frauen in politischen Gremien. Frauen werden herabgesetzt, diskriminiert, lächerlich gemacht, verletzt, umgebracht und vergewaltigt in einem System, das auf einem bestimmten Männlichkeitskonzept aufbaut. Eine Männlichkeitskonstruktion, welche die moralischen Prinzipien abwertet und Macht und Gier als erstrebenswert hinstellt. Die Unterdrückung der sozial tiefer gestellten Menschen wird durch die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern gefestigt, ohne das Patriarchat wäre die profitorientierte Unterdrückung undenkbar.

Dieses Bild von Männlichkeit hängt sehr stark mit der Militarisierung zusammen. Vergewaltigungen werden in dieser Sicht zur Kriegsstrategie, zur Erniedrigung des Feindes, mann greift dessen "Eigentum", die Frau, an. Das ist auch bei Auslandeinsätzen der Armee ähnlich. Nach Forschungen von Amnesty International floriert der Frauenhandel im Kosovo seit der Installation internationaler Truppen, Bordelle haben Zulauf und ansässige Männer werden im Machismo bestätigt. Anstatt in Kriegsgebieten Friedensprojekte und Menschenrechtsinitiativen zu fördern, stellen der Westen und auch die Schweiz für die örtlichen Probleme wenig sensible Militaristen ins Land und glauben, damit sei den Armen und Schwachen geholfen.

Vielmehr braucht es geschlechtergerechte Strategien, die sich ernsthaft mit zivilen Projekten um Frieden bemühen und nicht machtpolitischen Interessen einiger Supermächte dienen.

Mit dem Ostermarsch möchten wir auch dieses Jahr wieder ein Zeichen dafür setzen, dass wir nicht einverstanden sind, dass wir weiterkämpfen, dass wir an eine andere Welt glauben.

Rahel Ruch

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Online am 26. August 2008

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