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Schon bei den Steuersenkungen der letzten Jahre begann die Konkurrenz der Kantone um den so genannten Standortvorteil zu dominieren: Senkte ein Kanton die Steuern, zog der nächste nach. Die Steuersenkungen haben zu leeren Kassen für öffentliche Leistungen geführt. Verschiedene Sparpakete mit zum Teil verheerenden Folgen im Sozialbereich liessen nicht lange auf sich warten.
Obwohl dem Staat Geld fehlt, wächst die Zahl der Steuerprivilegierten. Schätzungen gehen davon aus, dass dem Kanton Zürich 2005 infolge der Steuergeschenke für Unternehmen von 2004 130 Millionen Franken verloren gingen (Le Temps 19.12.05, S. 11). Dazu kommt, dass das Schweizer Gesetz weiterhin riesige Schlupflöcher zur Steuerhinterziehung bietet, die in unserem Land nicht strafrechtlich verfolgt werden kann. Die Konkurrenz unter den Kantonen wird zunehmend härter und nimmt absurde Formen an. Solidarität oder Prinzipien Fremdwörter zu werden. Durch verschiedene Steuerprivilegien wie die kantonalen Regelungen zur Holdingbesteuerung, Abstimmungen über neue Steuergesetze und zunehmende Pauschalbesteuerungen immigrierender Vermögender aus dem Ausland, versuchen die Kantone, sich im Steuerwettbewerb zu profilieren. Man stellt ausserdem fest, dass 2006 nicht weniger als 18 Kantone Steuersenkungen planen! (Le Temps 19.12.05, S. 11)
Verschiedene Exponenten und Befürworter der „Steuerreformen“ werden nicht müde, für die Vorteile eines härteren Steuerwettbewerbs einzutreten. Lorenz Bösch aus Schwyz und Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) liess anfangs 2006 bezüglich der Obwaldner Steuerpolitik verlauten, dass Föderalismus eben auch Wettbewerb meine. Einen Wettbewerb, der sich in den letzten Monaten nicht nur an den Urnen abspielte, sondern vor allem in der Wirtschaft. Obwohl die Obwaldner Abstimmung erst einen Monat zuvor abgehalten wurde (am 11.12.05), hatten bereits am 8. Januar elf Firmen ihren Sitz in die neue Steueroase verschoben. Vergleichsweise, beschränkte sich ihre Zahl während der ersten drei Monate 2005 noch auf schlanke drei (Le Courrier, 8.01.06). Auch Economiesuisse befindet den Steuerwettbewerb als wirtschaftliche Notwendigkeit. Er führe u.a. zu einer Begrenzung der Steuerbelastung und sei auch Ausdruck des Föderalismus und unterschiedlicher kantonaler Präferenzen bei der Bereitstellung öffentlicher Leistungen.
Ueber die Nachteile und Verlierer des praktizierten Steuerwettbewerbs mögen die Erschaffer und Nutzniesser der schweizerischen Steueroasen nicht nachdenken. Dass das Geld, welches durch ihre Mithilfe am Fiskus vorbeigeschleust wird, vielerorts fehlt, interessiert nicht. Man ist ja auch nicht von abnehmenden staatlichen Dienstleistungen abhängig. Mit einer Ausnahme : den Steuern und ihren Gesetzen.
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