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Fragen an Nestlé

Diesen Samstag den 12 Juni fand ein von attac, der Erklärung von Bern und Greenpeace organisiertes Forum zum "Imperium Nestlé" statt. Die 350 TeilnehmerInnen konnten sich über Nestlés Praktiken in den Bereichen Wasser, Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und über Nestlés Beziehungen zu seinen Arbeitnehmern informieren. Sie waren davon überzeugt, dass diese Praktiken, die denen anderer rivalisierender und kooperierender transnationaler Firmen ähneln, schwerwiegende Auswirkungen auf Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben. Sie stellen öffentlich folgende Fragen an Nestlé :

Nestlé kann jedes beliebige Wasser zur Herstellung seines Trinkwassers "Pure Life" in Brasilien benutzen. Warum beharrt die Nestlé Gruppe dann darauf, zu diesem Zweck das Mineralwasser aus dem Parc de Sao Lourenco zu demineralisieren? Wie kommt es, dass die von Herrn Brabeck im Winter diesen Jahres abgegebene Verzichtserklärung dieser illegalen Widersinningkeit kein Ende gesetzt hat?

Wasserflaschen aus Plastik stellen eine schwerwiegende Verschmutzung der Umwelt dar. Da die Nestlé Gruppe ja behauptet, sich ihrer Verantwortung für die Umwelt bewusst zu sein, warum hat sie dann weder auf die Benutzung von Plastikflaschen verzichtet noch Plastikflaschen betreffende Recycling-Projekte vorangetrieben?

Die durch die Übernutzung der Wasserquellen verursachten Schäden, sowohl in Brasilien als auch den Vereinigten Staaten sind ausgiebig dokumentiert worden. Kann Nestlé damit fortfahren, seinen Umsatz im Sektor des Wassers in Flaschen zu steigern und vorgeben, ein ökologisch verantwortungsbewusstes Unternehmen zu sein?

Vor 25 Jahren haben die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsvollversammlung (WHA) den "Internationalen Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatznahrung" angenommen. Im Jahre 2002 nahm die WHA die "Globale Strategie zur Säuglings-und Kleinkindernährung" an, deren Artikel 44 klar definiert, was die Verantwortlichkeiten und besonderen Verpflichtungen der Hersteller und Vertreiber von Säuglings- und Kleinkindnahrungsmittel sind. Der Kodex gilt für alle Staaten und für alle Unternehmen; die Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihr Verhalten auf allen Ebenen dem Kodex und den nachfolgenden Beschlüssen entspricht, egal was die Behörden bisher unternommen haben; der Anwendungsbereich des Kodex umfasst alle Muttermilchersatzprodukte und nicht nur die Trockenmilch. Wie kommt es dann, das Nestlé den Kodex und die anderen von der WHA angenommen relevanten Beschlüsse noch immer nicht respektiert?

Anders als Nestlé behauptet, sind transgene Pflanzen nicht viel eher Zeitbomben für das öffentliche Wohlergehen, für die Unabhängigkeit der Landwirte und für der Umwelt als die Lösung für den Hunger auf der Welt?

Nestlé gibt, indem es sich nach dem strikten in den nationalen Gesetzgebungen geforderten Minimum richtet den Bewohnern der Entwicklungsländer - im Gegensatz zu denen der "entwickelten" Länder - nicht das Recht, zu wissen, ob sie mit ihren Nestlé Produkten transgene (genetisch manipulierte, GM) Zutaten zu sich nehmen. Wie ist diese Diskriminierung zu rechtfertigen?

Die Gewalt, die von paramilitärischen Gruppen in zahlreichen Ländern des Südens ausgeübt wird ist eine Bedrohung für die ArbeitnehmerInnen, insbesondere für die gewerkschaftlich organisierten ArbeitnehmerInnen und die bäuerlichen Bewegungen. Nestlé weist die Anschuldigungen, dass es sich solcher Gruppen zu seinem Vorteil bedienen würde zurück. Wie ist dann zu erklären, dass es die Drohungen und Gewalttaten der kolumbianischen Paramilitärs nie offiziell verurteilt hat?

Im Jahr 2003 hat Nestlé über 6 Milliarden Schweizer Franken Gewinn gemacht. Nun plant Nestlé aber, bis zum Jahr 2006 Sparmassnahmen in Höhe von 6 Milliarden Schweizer Franken, die sich insbesondere im Abbau von Hunderten von Arbeitsplätzen äussern werden, davon nahezu 1500 in Frankreich. Man kann an der Schliessung der Fabrik von Saint-Menet und den Rationalisierungsmassnahmen in den verschiedenen im Besitz von Nestlé befindlichen Wasserquellen die ersten Auswirkungen dieses Plans beobachten. Beispiele aus Russland, Korea und Kolumbien zeigen, wie Nestlé systematisch Politik gegen die Gewerkschaften und die Rechte der Arbeitnehmer betreibt. Kann man die Tatsache, das Nestlé in seinen Prinzipien seine MitarbeiterInnen als seine kostbarste Trumpfkarte bezeichnet seitdem denn als nichts anderes mehr ansehen als als pure Heuchelei?

Schliesslich, ist es denn normal, das die Entscheidungen, die in den Büros von Vevey getroffen werden sich Millionen von Menschen aufzwingen und weit schwerer wiegen als Entscheidungen, die von "souveränen" Staaten auf demokratischem Wege getroffen werden?

 

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Online am 20. August 2004

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