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Forum Widerstand gegen das Imperium Nestlé

Ein transnationaler Konzern: Was steht für die Gesellschaft auf dem Spiel? Samstag, 12. Juni 2004, 9.30-19 Uhr Vevey, Saal del Castillo (10 Minuten zu Fuss vom Bahnhof)

Rue Louis-Meyer 1, Place du Marché

Verstehen und handeln

Von Vevey aus übt das Imperium Nestlé seine Macht unkontrolliert über das Leben von Hunderttausenden oder gar Millionen Menschen aus. Wie konnte sich solch eine Macht bilden? Wie wird sie ausgeübt? Was sind die Folgen? Auf diese Fragen wollen wir Antworten suchen, um für eine gerechte und demokratische Alternative einzustehen.

9.30 Uhr: Eröffnung, Empfang, Clownvorstellung• 10 Uhr: Arbeitsgruppen: A. Wasser, B. Landwirtschaft • 12.30 bis 14 Uhr: Mittagspause mit Buffet vor Ort • 14 Uhr: Arbeitsgruppen: C. Ernährung. D. Nestlé und seine Angestellten. 17 Uhr Abschlussveranstaltung

Organisation: attac, mit Greenpeace, der Erklärung von Bern und der Kampagne für Menschenrechte (Nestlé-Kampagne).

Unterstützt durch (Stand Ende Mai): Comité international pour le contrat mondial de l’eau (Intenationales Komitee für den weltweiten Wasservertrag), International Baby Food Action Network (Intenationales Netzwerk Säuglingsnahrung - IBFAN), Solifonds, Gewerkschatsbund Waadtland (USV), Uniterre, Collectif pour une alliance socialiste-solidaritéS (CASs), Mouvement pour le socialisme-Bewegung für den Sozialismus (MPS-BFS), Jeunesse socialiste vaudoise, Grüne-Les Verts (Waadt-Vaud und Vevey), Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ASK).

Programm (PDF) auf Deutsch hier unterladen
Auch mehr infos auf Französich

A. 10.00-12.00 UHR: WASSER

Wasser ist lebensnotwendig. Es muss als Gemeinschaftsgut aller Menschen anerkannt werden und darf nicht zu Profitzwecken privat ausgebeutet werden. Genau dies passiert jedoch. 1990 waren 51 Millionen Menschen für ihre Trinkwasserversorgung von privaten Gesellschaften abhängig. 2002 waren es bereits 460 Millionen Menschen.

Die Trinkwasservorräte sind von zahlreichen Verschmutzungen bedroht. Industrie und intensive Landwirtschaft beuten das Wasser unter dem Druck der transnationalen Agrokonzerne gnadenlos aus, eignen sich die Wasserressourcen an und entscheiden über deren Verwendung, selbst wenn das Wasser damit für andere Zwecke unbrauchbar wird. Auch dies ist letztlich eine Form der Privatisierung.

Die Wasserverschmutzung bereitet den Boden für die Vermarktung von Wasser in Flaschen. Auf diesem Markt ist Nestlé der weltweite Leader. So hat Nestlé in Pakistan eine „Präventionskampagne“ gegen die Gefahren von Leitungswasser durchgeführt... um dann das Nestlé-Produkt „Pure Life“ zu lancieren.

In zahlreichen Ländern des Südens sind Wasserversorgungsnetze nicht vorhanden oder beschränken sich auf bestimmte Zonen. Überdies ist das gelieferte Wasser oft von schlechter Qualität. Auch im Norden ist die Wasserqualität bisweilen schlecht, sowohl in geschmacklicher als auch in gesundheitlicher Hinsicht. Wasser in Flaschen oder Vorratsbehältern wird deshalb von Nestlé und anderen multinationalen Konzernen als Lösung präsentiert, selbst wenn es finanziell nicht für alle erschwinglich ist. Inwieweit ist der Staat für diese Entwicklung mitverantwortlich, wenn er Ausbau und Instandhaltung des Wasserversorgungsnetzes vernachlässigt? Welche Absprachen gibt es zwischen den transnationalen Konzernen, die die Wasserversorgungsnetze ausbeuten und verkümmern lassen, und den Firmen, die Wasser in Flaschen verkaufen?

Selbst in Ländern wie der Schweiz mit qualitativ und geschmacklich hochwertigem Leitungswasser entwickelt sich der Markt für Wasser in der Flasche. Mit welchen Verkaufs- und Werbestrategien ist es Firmen wie Nestlé gelungen, ein Bedürfnis und einen Markt zu schaffen für ein Produkt, das kaum nötig ist?

Das standardisierte Trinkwasser (bspw. „Pure Life“ von Nestlé), das den „dynamischsten“ Teil der Branche darstellt, ist nicht den gleichen Bestimmungen unterworfen wie Mineralwasser, das an eine Quelle und somit an deren Qualität und Erneuerung gebunden ist. Das standardisierte Wasser wird industriell, in grossen Mengen und zentralisiert gewonnen, abgepumpt und abgefüllt. Diese Verarbeitung verursacht schwere ökologische Schäden, gegen die sich die Bevölkerung z.B. in Brasilien oder in den USA zur Wehr setzt.

RednerInnen: Riccardo Petrella, Professor an der Université Catholique de Louvain, Comité international pour le contrat mondial de l’eau (Internationales Komitee für den weltweiten Wasservertrag), Belgien; Franklin Frederick, BürgerInnenbewegung für Wasser in Brasilien; einE VertreterIn von Sweetwater Alliance, USA.

10.00-12.30 UHR: LANDWIRTSCHAFT

Rohstoffe für die Ernährung

Gegenüber den internationalen Handelsgesellschaften und den grossen Vertriebsketten befinden sich die landwirtschaftlichen ProduzentInnen in einem Abhängigkeitsverhältnis. Mengen, Qualität und Preise werden ihnen von einigen wenigen mächtigen Aufkäufern diktiert. Die zu produzierenden Pflanzensorten werden von anderen transnationalen Konzernen festgelegt, die ihnen das Saatgut verkaufen. Dies gilt für die Länder des Nordens und noch stärker für die Länder des Südens, beispielsweise im Fall von Kaffee und Kakao, für die Nestlé einer der grossen Aufkäufer ist. Nachfrage und Preise sind Schwankungen unterworfen, die ganze Regionen in den Ruin treiben, denn die Abkommen und Institutionen zur Marktregulierung wurden durch die Welthandelsorganisation WTO nach und nach zerschlagen.

Um ihre Schulden zu bezahlen, exportieren zahlreiche Länder des Südens landwirtschaftliche Rohstoffe, was zu Lasten der Produktion lebensnotwendiger Nahrungsmittel für die lokale Bevölkerung geht. Und doch gibt es eine Alternative: Die Absage an eine illegitime Verschuldung und der Aufbau einer Nahrungssouveränität durch eine echte Agrarreform. Diese Alternative bedeutet natürlich eine Konfrontation mit den transnationalen Konzernen und den Ländern des Nordens. Am Beispiel Brasilien zeigt sich, wie schwierig dieser Weg ist. Die Firma Nestlé, die für das Modell des „Agroexports“ steht und sich ausschliesslich an eine privilegierte Schicht richtet, ist nichtsdestotrotz am Programm „Fome Cero“ („Hunger null“) beteiligt, das Prestigeprojekt der Regierung Lula, während gleichzeitig die Landreform stockt.

Die transnationalen Konzerne kontrollieren Herstellung, Verarbeitung und Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten. Für die VerbraucherInnen führt dies zu einer Standardisierung der Ernährung und zur Verarmung von Geschmack und sogar Nährwert. Was die Umwelt betrifft, so richtet diese Art von Landwirtschaft unzählige Schäden an: Rodung und Verwüstung, Wasserverschmutzung durch grosse Mengen an Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln, Erosion, Versalzung der Böden...

RednerInnen: Eva Olaer Ferraren, Aktivistin einer NGO und Protagonistin des Kampfes der Bäuerinnen in Mindanao, Philippinen); Carlos Olaya, Sinaltrainal Gewerkschaft der Nahrungsmittelindustrie, Kolumbien; Gérard Vuffray, Uniterre, Schweiz.

C. 14.00-16.30: ERNÄHRUNG.

GVO, Milch für Säuglinge, Nutraceuticals: die künstliche Ernährung

Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) - diese patentierten Klone und Hirngespinste - erscheinen als Endpunkt einer Entwicklung in Richtung Industrialisierung und Privatisierung von Lebewesen. Sie sind Klone, weil die Pflanzen jeder „Sorte“ genetisch identisch sind. Sie sind aber auch Hirngespinste, weil sie aus dem Einsetzen eines artfremden Gens entstehen, obwohl über die Funktionsweise des Genoms noch fast nichts bekannt ist. Und patentiert werden sie, um den alten Traum des Kapitals zu erfüllen: Damit soll der unlautere Wettbewerb seitens der Lebewesen ausgeschaltet werden, die sich kostenlos reproduzieren; dies über das Patent (indem die Grundlage der Landwirtschaft - das Sähen des geernteten Korns - rechtlich verboten wird) oder über Sterilisierung (Terminator). Durch die Notwendigkeit, GVO-Saatgut und die entsprechenden Pflanzenschutzmittel zu kaufen, verlieren die ProduzentInnen einen Teil ihrer Einkünfte und geraten - wie die Länder der Peripherie - vermehrt in Abhängigkeit, während Umweltverschmutzung und Standardisierung der Produkte zunehmen.

Die VerbraucherInnen sind jedoch gegenüber Produkten mit GVO sehr zurückhaltend. Nestlé und die anderen transnationalen Konzerne versuchen folglich, ihre GVO mit allen Mitteln aufzudrängen. Wie können sich landwirtschaftliche ProduzentInnen und VerbraucherInnen wehren?

Der Fall des Milchpulvers für Säuglinge wird vielleicht als alte Geschichte empfunden. Die transnationalen Konzerne und insbesondere Nestlé haben diesen Markt jedoch nicht aufgegeben und entwickeln immer neue Strategien zur Umgehung des 1981 von der WHO entwickelten Kodex. IBFAN führt einen permanenten Kampf zur Überwachung der Umsetzung dieser Richtlinie.

Schliesslich ist ein weiterer Schritt der Industrialisierung der Ernährung zu beobachten, indem sich die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie annähern und „angereicherte Lebensmittel“ und „Nutraceuticals“ produzieren. Nestlé hält beispielsweise den Bereich Lebensmittel für ältere Menschen für einen vielversprechenden Sektor. Was hat dies für Konsequenzen?

RednerInnen: J.-P. Berlan, Forschungsdirektor am INRA (Institut national de la recherche agronomique, Institut für Agrarforschung), Frankreich, insbesondere auf GVO spezialisiert; Bruno Heinzer, GVO-Spezialist bei Greenpeace Schweiz; Mike Brady und Sonia Brady-De Oliveira, International Baby Food Action Network (Internationalen Aktionsnetz Säuglingsnahrung - IBFAN), Grossbritannien und Brasilien.

D. 14.00-16.30 UHR: NESTLÉ UND SEINE ANGESTELLTEN

Wenn man Nestlé Glauben schenkt, so handelt es sich um ein Unternehmen, das sich gegenüber seinen Angestellten vorbildlich verhält. Nestlé ist namentlich Mitglied des „Global Compact“ der Vereinten Nationen, das arbeitsrechtliche Mindeststandards vorschreibt. Aber diese schönen Worte für die Öffentlichkeit verdecken eine ganz anders geartete Praxis.

Die Philippinen, Südafrika, Ecuador, Japan... Zahlreiche Beispiele zeigen, dass die Einhaltung gewerkschaftlicher Rechte und fairer Arbeitsbedingungen dem Ziel der Steigerung der Rentabilität untergeordnet ist.

In der Fabrik in York (Grossbritannien), der wichtigsten Produktionsstätte für Kit-Kat-Schokoriegel, ist die Produktivität von 1998 bis 2003 beispielsweise um 65% gestiegen (1998 waren 38 Stunden zur Produktion einer Tonne Schokolade notwendig; 2003: 23 Stunden, Time vom 27. Januar 2003). Nestlé setzt - wenn es im Interesse der Aktionäre nötig und möglich ist - durchaus sehr „unzivilisierte“ Methoden ein: Druck auf GewerkschafterInnen, Einsatz von StreikbrecherInnen, Polizeieinsatz oder sogar paramilitärische Intervention...

Zudem spielt Nestlé ständig seinen multinationalen Charakter aus. Die Konzernzentrale verkündet andauernd, sie sei nicht für Entscheidungen ihrer Gesellschaften in den verschiedenen Ländern verantwortlich - während gleichzeitig das Projekt „Globe“ vorangetrieben wird, durch das die administrativen und technischen Prozesse weltweit vereinheitlicht werden!

Nestlés Aktivitäten in Kolumbien und der Konflikt, der sich zur Zeit im Unternehmen Perrier in Frankreich abspielt, werden genauer vorgestellt. Wir fragen auch nach der Situation in der Schweiz, wo nicht nur die internationale Konzernzentrale von Nestlé sondern auch Produktionsstätten dieses Konzerns liegen.

RednerInnen (bis dato): Carlos Olaya, Sinaltrainal (Kolumbien); einE GewerkschafterIn von Perrier Vittel (Frankreich).

17.00-19.00 UHR: SCHLUSSFOLGERUNGEN

- Bericht der wichtigsten Erkenntnisse aus den Arbeitsgruppen. - Clownvorstellung - Nestlé ist zur weltweiten Nummer 1 auf dem Nahrungsmittelsektor geworden. Wie ging diese Entwicklung vor sich? Aspekte der Analyse: Entwicklung der Geschäftszahlen, die wichtigsten Leader, ihre Netzwerke und Strategien. Welche Entwicklungsperspektiven bestehen? (Isabelle Paccaud und Nora Natchkova, attac, Ko-AutorInnen des Buches „attac contre l’empire Nestlé“). - Werden dieser internationalen Macht über das Leben Tausender von Menschen durch internationales Recht Grenzen gesetzt? Panorama dessen, was derzeit im internationalen juristischen Rahmen gegen transnationale Konzerne, die Menschen- und Umweltrechte verletzen, getan werden kann (oder nicht) (Florence Gerber, Erklärung von Bern). - Welche anderen Perspektiven des Widerstands gibt es gegen die Macht der transnationalen Konzerne? Präsentation der langfristigen Kampagne zu Nestlé. Welche Alternativen gibt es? Eine Welt ohne transnationale Konzerne? Oder „zivilisiertere“ transnationale Konzerne? (Stephan Suhner, Arbeitsgruppe .Kolumbien). - Diskussion - Abschlussresolution

19.00 UHR: OFFIZIELLES ENDE DES FORUMS

Den Tag ausklingen lassen, weiter diskutieren... kann man/frau bei einem musikalisch umrahmten Essen.


Das Forum beginnt um 9.30 Uhr. Züge: ab Basel (Abfahrt 6.24 Uhr über Morges oder Lausanne), Bern (Abfahrt 7.47 Uhr), Neuenburg (Abfahrt 7.57 Uhr), Genf (8.18 Uhr), Sion (8.14 Uhr) und Zürich (6.34 Uhr).

Für diejenigen, die von weiter her kommen, wird eine Unterbringung für die Nächte von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag organisiert. Bitte anmelden.

Der Eintritt kostet 20.- (10.- für StudentInnen, Erwerbslose, RentnerInnen....), Mittagessen (Buffet) nicht inbegriffen.

Rückkehr: bis 22.08 Uhr fährt mindestens stündlich ein Zug nach Basel und Zürich; bis 22h46 stündlich zwei Züge nach Bern und Neuenburg; bis 00.33 Uhr stündlich zwei Züge nach Sion; bis 23.46 Uhr stündlich drei Züge nach Genf.


Bitte schickt diesen Talon ausgefüllt an: attac, Postfach 27, 1000 Lausanne 9 oder per E-Mail zurückzuschickt:

o Ich nehme am Forum zum Imperium Nestlé teil

o Ich benötige eine Unterkunft: o Freitag abend o Samstag abend

o Typ Jugendherberge / Zivilschutz

o Ich nehme am Abendessen am Samstag abend teil

Name, Vorname:

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Online am 30. Juli 2004

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