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Michela Bovolenta ist Frauensekretärin bei der Gewerkschaft VPOD und wird am Freitagspodium zu feministischen Perspektiven an der Sommeruni dabei sein. Wir drucken eine Kolumne von ihr ab, die in der VPOD-Zeitung von Juni 2008 erschienen ist.
Im April wurde ich für den Einsitz in einem gewerkschaftlichen Gremium angefragt. Tagungstermin: Mittwoch – der Tag, der bisher für meine Kinder reserviert war. Obwohl ich skeptisch war, habe ich die Krippenleiterin angefragt, ob sie meine Kids auch am Mittwoch betreuen könnte. Leider nein, sagte diese, sie sei total ausgebucht. Möglicherweise – versprechen könne sie allerdings nichts – lasse sich auf Herbst 2009 etwas machen. Im besten Fall also dauert es anderthalb Jahre, bis ich den Umfang der Betreuung meiner Kinder ausweiten kann! Die Geschichte bestätigt vor allem eines: Wie unbefriedigend die Situation hinsichtlich der familienergänzenden Kinderbetreuung noch immer ist. Die Einrichtungen sind voll, Plätze Mangelware.
Um die Chance auf einen Betreuungsplatz zu bekommen, setzen viele Eltern ihr Baby lang vor dessen Erscheinen auf eine Warteliste. Dort bleibt es dann auch nach dem Ende des Mutterschaftsurlaubs noch viele Monate. Die Eltern jonglieren in dieser Zeit. Normalerweise senkt Mama den Beschäftigungsumfang. Bei Papa geht das nicht – sein Arbeitgeber ist dagegen. Ausserdem würde das Familieneinkommen dann allzu stark schrumpfen. Also kommt die Oma einmal die Woche. Für die restliche Zeit wird eine Tagesmutter engagiert. Und im Notfall springt zum Glück Tante Yvonne ein. So schlägt man sich durch, besser oder schlechter, je nachdem, ob man auf familieneigene Verstärkung zählen kann oder nicht.
Im Allgemeinen sind es Frauen, welche die Betreuung der Kinder übernehmen, als gänzlich oder als Beinahe-Freiwillige (denn das, was eine Tagesmutter verdient, kann nicht wirklich als Lohn bezeichnet werden). Doch das System hat seine Grenzen. Wenn das zweite Kind kommt, wenn die Tagesmutter wegzieht oder wenn die Grossmutter gesundheitliche Probleme bekommt, droht das ganze Gefüge auseinanderzubrechen. Trotz aller Anstrengungen und Sonntagsreden: Es gibt noch immer zu wenig Betreuungsplätze. Zwar hat die Zahl der Frauen, die nach der Geburt eines Kindes berufstätig bleiben, stark zugenommen. Aber die Entwicklung der Tagesbetreuung hat damit nicht Schritt gehalten. Wirtschaft und Politik, die sich den Forderungen gegenüber lange taub gestellt haben, bewegen sich nun immerhin. Sie wollen jetzt mehr Plätze, aber ohne dafür mehr Mittel aufzuwenden. Wir vom vpod widersetzen uns dieser Logik und machen uns auch bei der Kinderbetreuung stark für einen Service public mit Qualität – sowohl bei der Betreuung als auch bei den Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.
Michela Bovolenta
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