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MS Neoliberalismus: Kreuzfahrt oder Freibeuterei?
Achte Ausgabe der Gegenveranstaltung zum WEF:
"Das Andere Davos" am Global Action Day des Weltsozialforums
Samstag, 26. Januar 2008, Zürcher Volkshaus
Workshops und Stände ab 13 Uhr
Abendkonferenz mit Podiumsdiskussion um 20 Uhr:
Susan George, Christian Felber, Rita Schiavi, Jean Ziegler
2001 fand das erste Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre statt, als Gegenforum zum Davoser Weltwirtschaftsforum WEF. Am WEF treffen sich jedes Jahr die wichtigsten Firmen und politischen Leader, für offizielle Treffen – heuer ist beispielsweise im Rahmen des WEF ein Mini-Ministertreffen der WTO geplant – aber auch für gewinnbringende, geschäftliche Absprachen. Das Weltsozialforum (WSF) sollte hingegen soziale Bewegungen und AkteurInnen von Kämpfen zusammen bringen, um sich über eine andere, mögliche Welt auszutauschen. Die zahlenmässige Beteiligung am ersten Weltsozialforum war mit Zehntausenden aus aller Welt überwältigend. Auch spätere Ausgaben, die unter anderem in Bombay (Indien), Caracas (Venezuela) und Bamako (Mali) stattfanden, boten Hunderte von Foren und Workshops sowie eine grosse Themenvielfalt. Insbesondere 2001 war auch die Resonanz in den bürgerlichen Medien enorm – es wurde fast mehr über das WSF als über das WEF selbst berichtet. Dies hat sich aber inzwischen wieder gründlich geändert.
Das Weltwirtschaftsforum erfuhr durch das Entstehen der globalisierungskritischen Bewegung zu Beginn des neuen Jahrhunderts viel Aufmerksamkeit und Kritik. Die neoliberalen Rezepte, jedes Jahr in Davos wieder neu verkündet, verloren im Vergleich zu den 1990er Jahren etwas an Legitimität. Die Kritik daran wurde nicht mehr systematisch als altlink und verkrustet dargestellt. Während dies gelang, setzten sich genau diese Rezepte aber in der Realität zunehmend durch – die Lage unzähliger Menschen und Bevölkerungsgruppen weltweit hat sich in den letzten Jahren noch drastisch verschlechtert. Dass es im 21. Jahrhundert nicht möglich scheint, den Hunger- oder Aids-Tod von Millionen zu verhindern, ist schlicht eine Schande für die Menschheit und ein Zeichen für die Verdorbenheit der aktuellen Weltordnung. Gleichzeitig sind die Reichen gerade in der jüngsten Zeit immer reicher geworden, was die Verschärfung der sozialen Gegensätze ziemlich deutlich aufzeigt.
Wie weiter mit der Kritik am WEF?
Die globalisierungskritische Bewegung wurde bald von einer zu Beginn sehr grossen Antikriegsbewegung eingeholt, die auf die neuen imperialistischen Kriege in Afghanistan und Irak zu reagieren versuchte. Dass es trotz den weltweiten Demonstrationen vom 15. Februar 2003, an denen sich Millionen beteiligten, nicht gelang, diese Kriege zu stoppen, sitzt vielen – gerade auch jungen – AktivistInnen in den Knochen. Die desolate Umweltsituation setzt ein weiteres düsteres Zeitzeichen, zumal dies für das Big Business nur eine weitere Gelegenheit für Geschäfte ist – wenn Multis wie Novartis das Trinkwasser beispielsweise in Basel mit Profit verseuchen durften, garnieren dafür heute Nestlé und Konsorten ihre Gewinne mit dem Verkauf von Flaschenwasser.
Wie weiter in einer solchen Situation, wie kann man überhaupt für eine andere Welt kämpfen, und für welche? Ist es vielleicht an der Zeit, Vorschläge zu klären und offen darüber zu streiten? Diese Entwicklung zeichnete sich an den letzten Ausgaben des Weltsozialforums gerade nicht ab. Eine inhaltliche Klärung hätte ja eine Differenzierung, vielleicht ein Auseinandergehen gewisser Komponenten der sehr heterogenen globalisierungskritischen Bewegung mit sich gebracht. Der Preis für das Umgehen von solchen Auseinandersetzungen war teils eine Tendenz, auf der Stelle zu treten, und manchmal wurden Diskussionen ohne qualitativen Zugewinn einfach wiederholt. Auch unterscheiden sich in Konzepten und Aktionsformen manche sehr etablierten Nichtregierungs-Organisationen von Basisgruppen, die unter dem Eindruck der krassen Machtverhältnisse weniger auf Appelle, Petitionen und Lobby sondern mehr auf offene Auseinandersetzungen setzen (müssen).
Global Action Day statt zentrales Weltsozialforum
Nicht nur, aber auch als Reaktion auf solche Entwicklungen erneuert sich das WSF dieses Jahr: So ruft das Weltsozialforum für 2008 nicht zu einem zentralen – oder polyzentrischen – Forum auf, sondern zu einem dezentralen, weltweiten Aktionstag am Samstag, 26. Januar. Alle Bewegungen und Zusammenhänge sind aufgerufen, an diesem Tag ihre eigenen Aktionen, Foren und Interventionen zu organisieren. Ob und wie weit dies gelingt, wird sich zeigen. Zu den verschiedensten Themen kursieren Aufrufe zur Beteiligung. Wir hoffen hierzulande auf starke, vielleicht sichtbarere und mehr basisorientierte Proteste gegen Neoliberalismus und Krieg – trotz der Zermürbungstaktik von Behörden und Polizei gegen militante Teile der Bewegung, also jene, die sowieso nie an Sozialforen reisten, sondern vor Ort auf der Strasse ihre Ablehnung der herrschenden Verhältnisse zeigten oder zeigen wollten.
Das Andere Davos, die von attac schweiz mit Unterstützung zahlreicher Kräfte organisierte Gegenveranstaltung zum WEF, steht vor der achten Ausgabe und wird am Samstag, dem 26. Januar wieder im Zürcher Volkshaus stattfinden. Das Andere Davos kommt dieses Jahr als Forum daher. Unter dem Motto eines Kreuzschiffs namens "MS Neoliberalismus" sind Bewegungen und Organisationen aufgerufen, ihre Inputs zu präsentieren. Die verschiedensten inhaltlichen Anliegen können zur Sprache (und Darstellung) kommen. Vorgesehen ist ein "Streifzug durch Lateinamerika": Kolumbien, Chiapas/Mexiko, Guatemala, Kuba, Nicaragua, Venezuela, Bolivien... Weitere Workshops: Finanzmärkte - Dienstpersonal - Alternativen - Ernährungspolitik - Die Demokratische Bedarfswirtschaft: ein Projekt zur Überwindung des Kapitalismus - Und einiges mehr...
Am Abend findet eine Konferenz statt, unter anderem mit bekannten ExponentInnen der globalisierungskritischen Bewegung wie Susan George und Christian Felber sowie Rita Schiavi von der Gewerkschaft Unia und Jean Ziegler. Erstere wird auch am Public Eye on Davos, der Gegenveranstaltung der Erklärung von Bern, sprechen (siehe www.publiceye.ch).
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attac Schweiz lädt zu einer satirischen Kreuzfahrt an Bord des Luxusliners “MS Neoliberalismus” ein. Die Einschiffung beginnt um 13 Uhr, mit verschiedenen Attraktionen am ganzen Nachmittag: Einkaufen im Zollfreiladen, Führungen auf der Kapitänsbrücke, wo der neoliberale Kurs festgelegt wird, feine Verpflegung am hoch subventionierten Bordbuffet, Besichtigung der Wetterstation, die das Schiff heil durch Turbulenzen bringt, Verwöhnung durch das arbeitsame, multikulturelle Bordpersonal, Zwischenstopps in exotischen Ländern und Faulenzen unter den Palmen eines Steuerparadieses, Bewunderung des blauen Himmels und des blauen Meers (wie lang noch?), Aufstieg zum Krähennest (ist das ein Eisberg in der Ferne? Nein, es ist der Davoser Gipfel!).
Veranstaltungsort: Volkshaus, Stauffacherstrasse 60, 8004 Zürich
Eintritt: 15.- bis 20.-
Simultanübersetzung des Abendprogramms in Deutsch und Französisch
Organisation: attac schweiz
Kontakt: schweiz@attac.org, attac schweiz, Rue des Savoises 15, 1205 Genf, 022 800 10 40, PK 85-326212-6
www.otherdavos.net
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