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Agrotreibstoffe und die Schweiz

Agrotreibstoffe sind zu einem Modethema geworden, viel und kontrovers wurde über die Umweltbilanz und die Folgen der massiven Verwendung von "Bio"-Treibstoffen für die menschliche Ernährung geschrieben. Stephan Suhner von der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien hat Grundlagenmaterial zur Rolle der Schweiz in der Entwicklung der Agrotreibstoffe erarbeitet. Ausführliche Informationen zum Thema auf www.agrotreibstoffe.ch. Er wird an der Sommeruni im Workshop "Energiekrise" sprechen.

Die Agrotreibstoffe haben in den letzten drei Jahren eine exponentielle Entwicklung erfahren, gefördert einerseits durch die Angst vor dem Klimawandel und dem Versiegen der Erdölquellen, andererseits durch steuerliche Anreize, Subventionen und gesetzliche Beimischungsvorgaben. Die meisten Agrotreibstoffe wären ohne massive Anreize nicht rentabel, werden so aber zu einer Goldgrube für junge Agrotreibstoffunternehmen wie auch für etablierte transnationale Konzerne. In Deutschland entstand rund um kleine und mittelständische Agrardieselproduzenten ein kleiner Börsenboom. Weltweit gesehen sind es aber v.a. Giganten des Öl- und Energiebereichs und des Agrobusiness, die sich das Geschäft sichern wollen. Erdölkonzerne wie BP und Shell investieren in die Forschung und Produktion von Agrotreibstoffen der 2. und 3. Generation, basierend auf neuen Verfahren der Zellulosevergasung oder der Umwandlung mittels Enzymen. BP ging dazu eine Allianz mit DuPont ein, Shell mit dem Deutschen Pionier Choren. Damit sichern sich die Ölmultis die Ölquellen von morgen und hängen sich ein grünes Mäntelchen um. Konzerne des Agrobusiness wie Monsanto, Bunge, Cargill, Bayer, ADM etc. verzeichnen ebenfalls stark steigende Gewinnraten, da für die Produktion von Agrotreibstoffen neues Saatgut mit spezifischen Technologiepaketen entwickelt wurden, und der Agrarsektor im Moment historische Höchstpreise verzeichnet.

Beispielhaft für das Agrobusiness ein paar Zeilen zur Schweizer Syngenta: Syngenta setzt für ihr zukünftiges Wachstum stark auf Agrotreibstoffe und forscht dazu intensiv an speziellen Mais-, Raps- und Zuckerrübensorten. In Kolumbien, aber auch in Indien und Afrika wird eine tropische Zuckerrübe getestet, die bei einem dreimal kleineren Wasserverbrauch und einer nur fünfmonatigen Wachstumsphase ähnliche Erträge liefert wie Zuckerrohr. Es handelt sich jedoch um eine Pflanze für die industrielle Landwirtschaft, die Kleinbauern werden auch da einmal mehr leer ausgehen. Dank Forschungspartnerschaften mit der Queensland University of Technology in Australien und mit der Diversa Corporation ist Syngenta führend in der Forschung mit Enzymen zur Ethanolproduktion aus Zellulose. Syngenta ist es als erster Konzern gelungen, im Mais direkt ein für die Ethanolherstellung notwendiges Enzym einzubauen, und hat als erstes Unternehmen die Erlaubnis der US Food and Drug Administration für breite Feldversuche erhalten.

Stephan Suhner

 

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Online am 26. August 2008

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